R1200GS vs R1200RS

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Leo
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R1200GS vs R1200RS

Beitrag von Leo » Montag 26. September 2016, 13:53

Testfahrt BMW R1200GS LC und R1200RS

...oder vom Beast zur Gummikuh. Im Mallorca Urlaub bin ich zwei Tage Motorrad gefahren. Da der Vermieter sehr BMW lastig ist und ich tatsächlich noch nie eine GS gefahren bin, habe ich mir gedacht „bring es endlich hinter Dich“ und habe mir für einen Tag eine GS gemietet und für den zweiten Tag die noch recht neue RS. Die RS, weil sie mir ganz gut gefällt und irgendwie an meine lange und schöne Zeit mit der R1200ST erinnert. Begleitet hat mich mein Freund Claus, der jeweils in umgekehrter Reihenfolge die gleichen Mopeds gefahren hat.

Dienstag R1200GS LC
Die Einweisung war minimal. Ich habe gefragt, wie man ESA und Mapping einstellt und wo die ganzen Spaßbremsen abgeschaltet werden. Ich habe eine höhere Touratech Sitzbank bekommen und alles hat auf Anhieb gepasst. Kniewinkel angenehm, hohe Sitzposition, es kommt etwas SUV Feeling rüber: Groß, hoch und schwer. Aber irgendwie alles sofort vertraut und ich fremdle kein bisschen mit der GS. So ist es mir dann auch zum ersten mal passiert, dass ich mit einem Moped, auf dem ich noch nie gefahren bin, nach 30 Minuten zum ersten Mal die Fußraste Bodenkontakt hatte und das ganze ohne die geringste Unsicherheit. Vertrauen in Fahrwerk und Reifen war also von Anfang an da. Witzgerweise ist es Claus mit der RS an der gleichen Stelle auch passiert.
Was mir aber fehlte, war die Power. Beim Überholen hatte ich das Gefühl, dass nie und nimmer 125 PS zur Verfügung stehen. Die Kiste kam nicht aus dem Quark. Also das Mapping von Road auf Dynamic umgestellt und schon stellt sich ein ganz anderes Fahrgefühl ein. Kommt natürlich nicht an die Superduke heran, aber da fehlen ja auch um die 50 Pferdchen. Das Fahrwerk war im Road Modus immer überzeugend. Ich habe mit den anderen Modi experimentiert, aber Road hat mir am besten gepasst. Die GS hatte keinen Schaltautomat und das Getriebe hat sich geschaltet, als würde man in einer Kiste mit Schrauben herumrühren. Da war selbst meine alte ST besser und klar, die Superduke erst recht.
So bin ich den ganzen Tag ohne Anstrengung, mit top Windschutz und einer wirklich einfach zu fahrenden GS über die Insel gefahren und hatte unheimlich viel Spaß mit dem Teil.
Derweil hat Claus mit den Reifen der RS gehadert. Es waren Pilot Road 3 montiert und in den staubigen Spitzkehren (seit Mai kein Regen) ist er immer wieder gerutscht.

Donnerstag R1200RS
Für die RS habe ich die Einweisung vom Chef persönlich bekommen. Der erste Eindruck: Das ist ja ein viel moderneres Motorrad. Das Display ist groß, gut ablesbar aber enthält meiner Meinung nach zu viele Informationen. Das ist aber bestimmt zum Teil Übungssache. Die Sitzposition ist wesentlich sportlicher und mehr zum Vorderrad orientiert. Kein Vergleich zur GS. Hier ist man näher am Geschehen aber sie ist trotzdem nicht unbequem und der Kniewinkel ist OK wenn auch nicht so offen wie auf der GS. Wir starten und ich rutsche in der ersten Kurve spür mit dem Hinterrad weg. Kleine Schrecksekunde und weiter geht´s. Ich starte mit den gleichen Settings wie Dienstag, also ESA und Mapping auf ROAD. Das erste was auffällt, die geht ja auch im ROAD Modus schon ganz gut und das Getriebe ist deutlich besser als bei der GS. Ich benutze zunächst nicht den Schaltassistent und die Gänge lassen sich schön exakt schalten, der Leerlauf wird sofort gefunden. Kaum zu glauben, dass es quasi die gleiche Motor- und Getriebeeinheit ist. Mapping auf Dynamic lässt sogar regelrecht Freude aufkommen. Der Schaltassistent kommt nach und nach auch zum Einsatz und gegen Ende der Tour hat es der Guide richtig krachen lassen und da ist Unterschied deutlich spürbar, wenn man ohne Kupplung hochschaltet. Streckenmäßig stand Sa Calobra auf dem Programm und wir sind ohne Ende Spitzkehren gefahren. Das geht nur mit ESA und Mapping auf ROAD und trotzdem bin ich in jeder Kurve gerutscht. Wenn man sich daran gewöhnt hat und das Vertrauen zur Antischlupfregelung aufgebaut ist, geht´s eigentlich. Ich bin mir sicher, dass dafür der Reifen verantwortlich ist. Ein Z8 würde da wahrscheinlich Wunder wirken. Was außerdem in den Serpentinen auffällt, ist das stempelnde Hinterrad beim Runterschalten. Da meine letzten 3 Mopeds Antihopping Kupplungen hatten, kannte ich das schon nicht mehr. Die ST hat das auch immer gemacht in den Dolos. Komisch, dass es bei der GS nicht aufgetreten ist. Gründe könnten auch hier der Reifen sein, oder die mehr zum Vorderrad orientierte Sitzposition mit anderer Gewichtsverteilung. Oder die GS hat eine Antihopping Kupplung.
Was sich zunehmend als störend erweist auf griffiger Straße und mit langgezogenen Kurven, ist die fehlende Schräglagenfreiheit. Ständig sind die Rasten am Boden. Erinnert mich an meine Multistrada obwohl es bei der RS eher noch schlimmer ist. Ich habe dann das ESA auf eine Person mit Gepäck umgestellt (hatte ganz den Ranzen vergessen xD) aber auch das hat nicht viel gebracht. So habe ich das Leihmoped nach eine Tag mit richtig viel Spaß denn auch mit ca. 1 cm verkürzten Angstnippeln zurückgegeben. Was ich nicht verstehe ist, dass gerade die Schräglagenfreiheit gelobt wird. Zitat: „...wenn man mit den Angstnippeln aufsetzt, ist man schon ganz schön schräg unterwegs. Fahrwerke können sie bauen bei BMW“.
Das mit dem Fahrwerk stimmt. Ich habe alle Modi ausprobiert und bin von dem ESA begeistert. Das hätte ich gerne in meinem Beast. Auch mit der RS war der Tag entspannt und das ist durchaus ein feines Motorrad.

Fazit
Die GS kann alles richtig gut und fährt sich schön einfach. Aber für mich ist sie zu langweilig (oh Gott, ein Shitstorm wird über mich hereinbrechen). Es fehlt einfach an Emotione und technisch ist noch Luft nach oben.

Die RS ist der GS technisch spürbar überlegen und mit dem richtigen Reifen ganz sicher eine tolle Wahl sowohl für die schnelle Landstraßenrunde, als auch für eine Tour mit Gepäck. Der einzige Kritikpunkt sind die Angstnippel, aber die kann man ja weglassen.

Die spannende Frage, ob ich wieder ins BMW Lager zurückkehre, wird mit einem klaren Nein beantwortet. Das Beast macht einfach unheimlich viel Spaß und erzeugt bei jeder Fahrt ein Dauergrinsen unterm Helm.
Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit rechtwinklig zum Ohr hin abfließen (W. Röhrl)

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Re: R1200GS vs R1200RS

Beitrag von Arno » Montag 26. September 2016, 20:13

Super Bericht!
Stimme zu (kein Shitstorm) :-D
Deshalb der Hang zum Zweitmoped!
MotoGuzzi_V11L buffbuff*klonk*brobobobobrooo*klack*brooaa*klick*raaaaharrrr! BMW_R1200S icebmw

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