Probefahrt F800 GS Adventure

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Probefahrt F800 GS Adventure

Beitrag von Genussfahrer » Freitag 28. April 2017, 18:10

Aufgrund von positiven Kommentaren und persönlichen Gesprächen entschloss ich mich zu einem Angebot nebst Probefahrt bei der Firma BMW Senger in Rüsselsheim. Das Gespräch selbst lief ausgesprochen freundlich und angenehmen; ich hatte den Eindruck, dass der Verkaufsberater über eine hohe Kompetenz verfügt. Was das Angebot betrifft muss man mal sehen was dabei rum kommt.

Aber es geht ja eher um die Probefahrt. Und da wurde mir beim Aufsitzen schon klar gemacht, dass das nix für kleingewachsene Motorradfahrer/-innen ist. Hoch das Bein lautete die Devise! Nachdem ich Platz genommen hatte kam das AHA-Erlebnis. Füße finden auch ohne Ballerina-Ausbildung den Boden, die Hände finden im guten Winkel und Abstand die Arbeitsgeräte und ich sitze entspannt auf der Adventure in Erwartung einer überzeugenden Testfahrt.

Start: Ich soll OHNE Gas den Knopf drücken. Weil den Gasstoß übernimmt das Motorrad an sich. Wieso muss das sein? Spätpubertär mit leicht erhöhtem Standgas grummelt die F vor sich hin. Gang rein – klack. Das wohlvertraute BMW-Geräusch. Abfahrt…..huch, zu wenig Gas gegeben? Nein – Motor läuft, Maschine rollt, 20 Jahre technische Entwicklung lässt sich nicht wegdiskutieren. Beim lockeren Rollen zur Ausfahrt fällt mir schon auf, wie leicht sich die BMW bewegen lässt. Gut austariert scheint sie schon mal zu sein, das große Vorderrad hilft hier natürlich auch Vertrauen aufzubauen.

Raus auf die Straße: Abfahrt…..huch, wieder zu wenig Gas gegeben? Nein – Motor läuft, Maschine rollt, 20 Jahre technische Entwicklung lässt sich nicht wegdiskutieren – und schon gar nicht mit dem von links kommenden Autofahrer. Erste Hürde genommen – aber ist schon komisch. Ich gebe Gas und es passiert wenig bis nichts. Dagegen erscheint die Africa Twin richtig spritzig und hypernervös, was bei 60PS und 240kg gar nicht sein kann.

Nächste Kreuzung: Geschichte wiederholt sich……. huch, wieder zu wenig Gas gegeben? Nein – Motor läuft, Maschine rollt, 20 Jahre technische Entwicklung lässt sich nicht wegdiskutieren – und schon gar nicht mit dem von links kommenden Autofahrer – aber jetzt ist wirklich mal gut. Ist da eventuell der Fahrmodus große Schleichfahrt eingestellt? Mit den elektronischen Gasgriffen oder Drosselklappen kann man ja eine Vielzahl von Einstellungen hinsichtlich eines sicheren Vorankommens voreinstellen, aber das ist nicht mehr sicher, sondern nur noch nervig.

Aber nach Angaben des Verkäufers soll es das jetzt erst mal gewesen sein mit Kreuzungen und Stopp and Go. Jetzt wir gefahren! Satt und stabil liegt die F auf der Straße. Erst mal auf 3-4000 Touren gebracht zieht sie auch angenehm und spritzig durch, ohne dabei den Eindruck mangelnder Leistung zu erwecken. Auch der in diesem Bereich markant bekannte Klang eines BMW-Boxers gefällt mir ausgesprochen gut und führt auch dazu gerne aus diesem Drezahlbereich kräftig zu beschleunigen. Ruckzuck bin ich zu schnell unterwegs – zumindest für die installierten Blitzer am Wegesrand. Also doch etwas weniger am Gasgriff drehen. Und das ist auch gut so, denn ab ca. 5000 Touren wird der Twin etwas kribbelig. Das entspricht so ca. Tempo110-120 und damit in etwa meinem bevorzugtem Reisetempo auf der BAB auf dem Weg zum nächsten Reiseziel. Zudem fällt mir auf, dass die hohe Scheibe zwar sehr gut schützt, aber in meinem Fall recht hohe Windgeräusche erzeugt. Schon vorher tritt das Motorgeräusch in den Hintergrund und das zunehmende Rauschen des Windes könnte bei einer längeren Anreise über besagte Autobahn schon stören. Den direkten Vergleich mit der Africa Twin und der dort verbauten MRA-Tourenscheibe verliert das 20 Jahre modernere Fahrzeug jedenfalls um Längen. Klar – bei der kribbelt es auch so ab 5500, aber dafür trompetet der Wind kein Lied dazu. Und ich fahre mit Ohrstöpseln. Noch mal über die 20 Jahre technische Entwicklung nachdenken.

Eine Reise durch das hessische Ried in Richtung Kornsand lässt sich im Idealfall mit einem Chopper, Cruise oder Großtourer bewerkstelligen. Wenig Kurven und wenn eine kommt, handelt es sich um einen Kreisverkehr, eine Ortskurve oder eine Kombination aus beidem. Auf den Landstraßen an sich ist mit keinen Überraschungen zu rechnen, außer dass der Straßenbelag mitunter zu wünschen übrig lässt. Gute Gelegenheit ESA auf den Zahn zu fühlen. Nach ein paar Versuchen stellt sich für mich die Komforteinstellung als Ideal dar. Wobei das System nur auf das hintere Federbein wirkt. Vorne muss man mit dem Leben was der Werkseinsteller eingestellt hat. Das ist an und für sich okay und für die meisten Wege dieser Welt ausreichend, aber irgendwas klappert und rappelt von der Gabel her. Ähnlich wie bei der Tiger ein paar Wochen zuvor, hatte ich das Gefühl der Gabel fehlt es in langsameren Abschnitten etwas an Sensibilität.

Und wie war das mit der Gasannahme? Ein Wechsel auf „Rain“ lässt die F noch sanfter ans Gas gehen, als oben beschrieben. Insgesamt habe ich mich schnell daran gewöhnt. Ebenso wie an die Heizgriffe; sie tun was sie sollen, nämlich wärmen. So kann es eigentlich tagelang weiter gehen. Wenn da nicht die Zeit drängen würde – ca 60 Minuten hatte ich zur Verfügung, davon sind schon 40 aufgebraucht und ich soll doch bitte schnell mal tanken fahren, da die Fahrzeuge immer mit vollem Tank ausgegeben werden.

Schnell noch mal ein kurzer Halt auf dem Parkplatz und sich von der Verarbeitung zu überzeugen. Ein Blick unter die Sitzbank entspricht in etwa dem eines Blicks in den Motorraum eines modernen PKWs: Jede Menge Steckerchen und Käbelchen, Platz ist nur für das Servicebuch, und das aufpreispflichtige Bordwerkzeug. Mit dem an Bord befindlichen bekommt die Modellbezeichnung Adventure eine ganz neue Bedeutung beim Kettenspannen im Urlaub. Für den Preis und den Anspruch eines Premiumherstellers ist das einfach nur erbärmlich.

An der Tankstelle angekommen waren es ca. 2,5 Liter für die gut 40 km. Praktisch ist das schon mit dem seitlichen Tankdeckel; da muss zum Beispiel kein Tankrucksack umgeschichtet werden. Komisch ist nur, dass ich mit dem Tankschlauch um das Moped rum gehen musste, da die Zapfsäule auf der falschen Seite stand. Aber nach der 3. Tankfüllung hat sich das erledigt – hoffentlich. Insgesamt jedoch hat die Probefahrt viel Spaß gemacht, auch wenn der emotionale Funken nicht so richtig übergesprungen ist. Ich denke die F ist ein grundsolides Fahrzeug ohne große Stärken oder Schwächen.

Jetzt schauen wir uns mal das Angebot an und dann wird entschieden.
Gruß Carol KTM_ADV_Carol

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Arno
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Re: Probefahrt F800 GS Adventure

Beitrag von Arno » Freitag 28. April 2017, 22:24

Ja die F Serie von BMW ist eine Eier legende Wollmilchsau, kann alles richtig gut. Zu gut, leider fehlen dadurch die Emotion ein wenig. Fluch und Segen. :gimmick3: :gimmick6:
MotoGuzzi_V11L buffbuff*klonk*brobobobobrooo*klack*brooaa*klick*raaaaharrrr! BMW_R1200S icebmw

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